Das Konzept „crEATe“ von Swen Schmeer war schon in der Sportgaststätte in Offenhausen sehr beliebt, auch wenn man ihm davon abgeraten hatte. Zu modern sei es für die Gäste. Am Ende zahlte sich die Hartnäckigkeit aus: Das Angebot, sich sein Essen selbst zusammenzustellen, kam hervorragend an. Für Schmeer war Offenhausen genau der richtige Ort, um sein ungewöhnliches Konzept auszuprobieren, Fehler zu machen und daraus zu lernen – bevor es nun an den neuen Standort im Orange Campus ging.
crEATe – Pasta I Burger I &More
Am Orange Campus
Wiblinger Straße 37
89231 Neu-Ulm
Was, glauben Sie, hat crEATe so erfolgreich gemacht?
Swen Schmeer: Ich habe mir von verschiedenen bekannten Unternehmen das Beste abgeschaut und daraus ein eigenes Konzept entwickelt. So wird die Bestellung mit dem Namen aufgenommen, wie man es von Starbucks kennt. Das nimmt sofort eine Hürde, denn unsere Servicekräfte kennen dadurch jeden Gast beim Namen. Dazu kommt, dass sich unsere Gäste ihr Essen ganz nach eigenen Vorlieben zusammenstellen, wie man es von Subway kennt. So bekommt jeder wirklich das, was er möchte.
Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang erzählen?
Swen Schmeer: Ich komme aus einer waschechten Gastronomen-Familie. Meine Tante hat viele Jahre die Teutonia in der Ulmer Friedrichsau geführt, mein Vater ist gelernter Koch und hatte unter anderem das Guckehürle – heute Bibraud –, später ein Restaurant in Rißtissen und zuletzt die Sportgaststätte in Offenhausen. Ich selbst habe mich lange von der Gastronomie ferngehalten und Projektmanagement studiert, danach war ich lange im Vertrieb tätig. Heute merke ich: Genau dieser Werdegang ist eine hervorragende Basis für die Gastronomie.
Können Sie das erklären?
Swen Schmeer: Ich bin von Anfang an wie ein Vertriebsmanager an die Sache herangegangen und führe mein Team nach denselben Grundsätzen: Wir erarbeiten gemeinsam Ziele, und wenn wir sie erreichen, gibt es für die Mitarbeiter einen Bonus. Zudem behalte ich die wichtigen Kennzahlen im Blick. Für das crEATe bedeutet das vor allem, dass ich enormen Wert auf die Bewertungen unserer Gäste lege – und die können sich sehen lassen. Aktuell haben wir rund 630 Bewertungen bei 4,9 von 5 möglichen Sternen.
Was hat schließlich den Ausschlag gegeben, doch das Abenteuer Gastro zu starten?
Swen Schmeer: Ich habe jahrelang beobachtet, wie Gäste in Restaurants bestellen, und festgestellt, dass Sonderwünsche völlig normal sind. So wird beispielsweise gefragt, ob man den Wurstsalat auch ohne Zwiebeln haben kann oder die Rahmsoße ohne Pilze. Irgendwann begann ich dann, mir Notizen zu machen. Die ersten stammen aus dem Jahr 2018, und daraus ist über die Zeit die Idee zu crEATe entstanden. 2024 bin ich damit in Offenhausen gestartet.
Bedeutet das nicht, dass Sie sehr viel Ware vorhalten müssen?
Swen Schmeer: Nicht, wenn man sich auf ein festes Spektrum konzentriert. Ich habe mit Pasta und Burgern angefangen, die Salate kamen später dazu. Zudem bin ich ein begeisterter Pastakoch und die meisten meiner Rezepte sind aus dem klassischen Restekochen entstanden – dabei merkt jeder Hobbykoch, dass sich bestimmte Zutaten für mehrere Gerichte eignen. So halte ich den Warenstamm so umfangreich wie nötig und so schlank wie möglich. Unsere Karte ist bewusst klein, gerade einmal drei Seiten. Wichtig ist dabei: Die Qualität muss stimmen.
Was macht das Konzept von crEATe aus Ihrer Sicht so besonders?
Swen Schmeer: Wir schaffen ein kulinarisches Erlebnis und unser Konzept ist einzigartig sowie extrem individuell. Unsere Gäste werden von Anfang an abgeholt – nach einer kurzen Erklärung versteht wirklich jeder, wie crEATe funktioniert. Auch wenn der Großteil unserer Gäste Burger bestellt, verstehen wir uns als Restaurant, und das gibt uns ein ganz anderes Flair im Vergleich zum Burgerladen. Entscheidend ist vor allem, dass sich das gesamte Team mit dem Laden identifiziert, wodurch der Service sehr harmonisch wirkt. Unsere Gäste spüren von der ersten Minute an, dass wir mit Herzblut arbeiten – und am Ende kommt wirklich nur das auf den Teller, was man mag. Dieses Gesamtpaket ist der Grund dafür, dass 95 Prozent unserer Gäste wiederkommen.
Wie groß ist Ihr Team?
Swen Schmeer: Insgesamt beschäftigen wir 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber es arbeiten natürlich nicht immer alle. Unter der Woche sind zwei Köche im Einsatz, am Wochenende ist das Küchenteam zu viert. Im Service sieht es ähnlich aus: An Wochentagen kommen wir mit zwei Servicekräften aus, samstags und sonntags sind es vier. Zwar haben wir den Bestellvorgang digital optimiert – unser Servicepersonal trägt Uhren, die dezent klingeln, sobald ein Gericht in der Küche fertig ist –, aber am Service selbst sparen wir nicht.
Ein Großteil Ihrer Gäste bestellt Burger – was sind die beliebtesten Gerichte?
Swen Schmeer: Besonders gefragt sind derzeit die Smash Burger, allen voran der „Double Beast“ mit einem Patty aus Rind und einem aus Geflügel, dicht gefolgt vom Pastagericht „Creamy Chicken Alfredo“. Beides stammt aus unserer Signature-Karte mit sieben Pasta-Kreationen und neun Burger-Varianten.
Wie viel von Ihren eigenen Ideen konnten Sie bei der Innenausstattung im Orange Campus umsetzen?
Swen Schmeer: Ich konnte das Interieur problemlos nach meinen Vorstellungen anpassen, dabei musste gar nicht viel verändert werden. Die Wände aus Sichtbeton und die dunklen Farben passen genau zu dem, was ich mir auch für künftige Franchise-Standorte vorstelle. Ich habe lediglich die Stühle ausgetauscht, ein eigenes Graffiti anbringen lassen und andere Bilder aufgehängt – schon war es so, wie ich es mir vorstelle.
Wie kam die Brauerei Gold Ochsen schließlich ins Spiel?
Swen Schmeer: Schon in Offenhausen habe ich mit der Brauerei Gold Ochsen und der Ulmer Getränke Vertrieb GmbH zusammengearbeitet. Das Sortiment passt einfach zu uns, alkoholfrei wie alkoholisch. Das Gold Ochsen Ulmer Hell und auch das Kellerbier kamen in Offenhausen sehr gut an.
Wie sieht es denn nun am neuen Standort aus?
Swen Schmeer: Genaue Zahlen liegen mir noch nicht vor, dafür sind wir noch nicht lange genug hier. Aber gefühlt benötigen wir hier deutlich mehr Hefeweizen vom Fass. Ich denke, der „Russ“, die Radlervariante mit Hefeweizen, wird hier eine große Rolle spielen – schließlich gehen bei uns viele Sportler ein und aus, die nach dem Training eher zu einem Mischgetränk greifen.
Verraten Sie uns Ihre Gold Ochsen-Lieblingssorte?
Swen Schmeer: Ich trinke am liebsten Gold Ochsen Ulmer Hell. Das hat sich seit Jahren nicht geändert – und wird es wohl auch nicht.