Als Samuel Knoops Anfang September 2025 in New Ulm ankommt, liegen rund elf Stunden Flug hinter ihm – und unzählige Erfahrungen vor ihm. Der damals 24-Jährige arbeitet als Brauer bei der Brauerei Gold Ochsen. Über das Hans-Joohs-Austauschprogramm hat er die Chance, für drei Monate US-Luft zu schnuppern und eine der traditionsreichsten Brauereien des Landes, die August Schell Brewing Company, als Mitarbeiter live zu erleben.

Die Schwesterstadt New Ulm beeindruckt sofort: „Es wirkt wie ein nettes kleines Ulm, die Leute sind stolz auf ihre deutschen Wurzeln und trotzdem unglaublich offen.“ Diese Offenheit begegnet Samuel überall: bei der Arbeit, in seiner Gastfamilie und beim Oktoberfest der Stadt. „Dirndl, Lederhosen, deutsche Musik – eine riesige Gaudi, und alle sind mega freundlich.“ Besonders der ortsansässige Austauschbegleiter Rick Isbell kümmert sich intensiv um ihn und nimmt ihn auf verschiedene Ausflüge mit, unter anderem fahren sie 800 Kilometer bis zum Präsidentendenkmal Mount Rushmore. Ganz im Sinne des Sprichworts „Minnesota nice“ erlebt der junge Brauer die Menschen in diesem Staat als unglaublich zuvorkommend und hilfsbereit.

Bei der August Schell Brewing Company bekommt er schnell Verantwortung: Schon nach wenigen Tagen darf Samuel die Sudanlage allein bedienen. „Ein großer Vertrauensbeweis“, erzählt er. Die Brauerei ist deutlich kleiner und weniger modern als Gold Ochsen, vieles wird noch händisch gesteuert. „Das verzeiht keine Fehler. Wenn man den Gully aus Versehen aufmacht, gibt’s keine Notabschaltung. Da läuft im Zweifel halt das Bier in den Kanal.“

Die Unterschiede zur deutschen Brauweise erlebt Samuel hautnah: kein Reinheitsgebot, Zucker im Bier, deutlich leichtere Sorten, sogar Erdnussbutter-Schokoladen-Porter begegnen ihm. „Ich hab viele gute Biere probiert – aber es gab nur eins, bei dem ich gesagt hab: Davon trink ich vier, fünf Stück. Das ‚No Frills Pils‘. Bei den meisten anderen reicht wohl eher eins.“ Auch die Braumeister vor Ort bevorzugen das deutsche Bier, doch die amerikanischen Verbraucherinnen und Verbraucher sind an ihre heimischen Geschmacksrichtungen gewöhnt.

Zwölf Wochen später kehrt der Ulmer zurück. Im Gepäck hat er viele neue Eindrücke und das Gefühl, nicht nur ein Praktikum absolviert zu haben, sondern Teil einer Gemeinschaft gewesen zu sein. Die Erfahrungen aus einer kleineren Brauerei mit wenig Automatisierung und die Begegnungen mit Menschen aus einer anderen Kultur nimmt Samuel mit an den Sudkessel in der Heimat.

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